Meine Motivation & ich

Im März 2019 verlor ich plötzlich meine Mutter.

Sie fehlt, jeden Tag.

Und wie Sie waren meine Familie und ich überfordert mit der Situation. Wir waren nicht vorbereitet: Der frühmorgendliche Anruf des Krankenhauses. Autofahrt im Tunnelblick. Routiniert agierendes, aber wenig hilfreiches Klinikpersonal. Wie informiere ich alle? Die "Verabschiedung" der lächelnd aufgebarten Mama im "Raum der Stille".

Abruptes Handeln im Autopilotmodus: Welcher Bestatter? Wo sind alle Unterlagen? Was hat sich Mama gewünscht? Sarg, Urne, welche? Welche Musik? Wie viele Gäste? ...die eigene Trauer... Behördengänge, Kündigungsfristen, die Auflösung der liebevoll eingerichteten Wohnung voller Erinnerungen. Wie schaff ich das neben dem Beruf?

Nachhaken und Unterstützung des Bestatters: Welcher Friedhof? Was für ein Grab? Das ist möglich, das leider nicht. Bis dann und dann...

Die eigene Trauer.

Wie gestaltet man die Einladung zur Trauerfeier? Kondolenzkarten? Leichenschmaus, welch grässliches Wort, und wo? Der Umgang mit Beileidsbekundungen, die Freunde und Bekannte unsicher über die Lippen bringen. Wie unangenehm.

Wie unterstütze ich weniger starke Familienmitglieder? Ich bin emotional unsicher gegenüber meinem Partner. Die eigene Trauer zwischen emotionaler Erschöpfung, "das Leben muss weiter gehen" und notwendigem Aktionismus.

Ich besinne mich auf meine 15 Jahre lange Berufserfahrung in Wirtschaft, Politik und Sport zurück. Ich bitte mein umfangreiches Dienstleisternetzwerk um rasche und gewohnt zuverlässige Hilfe. Ich agiere als Sportlerin zielgerichtet.

Ich funktionierte.

Meine Mama war ein lebensbejahender Mensch und so wollten wir sie verabschieden: Mit fröhlichen Farben. Mit ihrer Lieblingsmusik. Mit persönlicher Dekoration. Mit etwas mehr Pfiff.

Die Bestattung meiner Mutter war ein schöner Tag. Wir haben geweint, geklatscht, getanzt, gelacht. Nach aller anfänglichen Unsicherheit waren wir erleichtert. „Es war richtig schön, so hätte sie es sich gewünscht.“, flüsterten sich alle umarmend zu.

So war es für uns richtig.